Die Gestaltung von Infobroschüren zum Bürgerhaushalt – Worauf sollte geachtet werden?

Die Gestaltung von Infobroschüren zum Bürgerhaushalt – Worauf sollte geachtet werden?

Meldung |  Allgemeines |  Redaktion |  31.08.2016
Die Gestaltung von Infobroschüren zum Bürgerhaushalt – Worauf sollte geachtet werden?

Zur Information der Öffentlichkeit über Haushaltszahlen und den Bürgerhaushalt setzen viele Kommunen neben einer Informationsplattform im Internet auch weiterhin auf gedruckte Broschüren. Darin werden die wichtigsten Haushaltsposten und deren Zusammensetzung beschrieben, aber auch Informationen zum Ablauf des Bürgerhaushaltes sind dort zu finden.

Der Vorteil von Broschüren: Viele Kommunen nutzen sie, um bei Veranstaltungen, an öffentlichen Orten und an Informationsständen, gezielt die Bevölkerung zu informieren und für das Beteiligungsverfahren zu werben. Denn gerade bei Bürgerhaushalten ist es zunächst wichtig, die Bürgerinnen und Bürger mit den teils komplizierten Zahlenwerken vertraut zu machen und sie für die Beteiligung zu qualifizieren. Borschüren sind somit beides, Mittel der Mobilisierung und der Information. Lohnenswert sind solche Broschüren insbesondere für Kommunen, die deren Bürgerhaushaltsverfahren viele vor Ort Veranstaltungen und Infostände beinhalten.

Doch auch in Sachen Infobroschüren ist auf bestimmte Gestaltungsmerkmale zu achten. Die Redaktion von buergerhaushalt.org hat deshalb recherchiert und Haushaltsbroschüren anhand von drei Kriterien (Strukturierung, Verständlichkeit, Visualisierung) miteinander verglichen. Das Ziel: Kommunen eine Hinweise zu geben, worauf bei der Gestaltung von Haushaltsbroschüren geachtet werden sollte. Diese Analyse ist eine Annäherung und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Nach einer kurzen Erläuterung zu den Vergleichskriterien werde kurze Beispiele vorgestellt, bei denen diese Kriterien im Sinne ihrer Definition treffend umgesetzt wurden.

 

Die Vergleichskriterien im Überblick

Wichtig für eine Broschüre, die dazu geeignet ist, auch komplexere Themen zu vermitteln, ist eine klare und nachvollziehbare Strukturierung. Ein Inhaltsverzeichnis sollte der Leserin/dem Leser eine schnelle Orientierung innerhalb der Broschüre ermöglichen. Hierfür sind prägnante Überschriften sowie eine nachvollziehbare Strukturierung der Texte wichtig.

Um eine breite Öffentlichkeit ansprechen zu können, sollte auch auf die Verständlichkeit der Formulierung geachtet werden. Informationen sollten generell in einfacher Sprache vermittelt werden, um sprachliche Barrieren zu verringern. Beispiele und Vergleiche tragen zu einem besseren Verständnis bei, diese sollten möglichst nah am Alltag der Bürgerinnen und Bürger orientiert sein.

Visualisierungen von Haushaltsdaten und Zusammenhängen sind ebenfalls wichtig für eine erfolgreiche Vermittlung von Inhalten. Wie bei Texten für das Internet und PowerPoint-Präsentationen gilt es, lange Fließtexte zu vermeiden und durch eine ansprechende Gestaltung die Motivation der Leserinnen und Leser hochzuhalten. Bilder und Grafiken können gut dosiert eine Broschüre optisch aufwerten, sollten aber immer danach ausgewählt werden, ob diese tatsächlich einen Mehrwert ergeben.

 

Praxisbeispiel in Sachen „Strukturierung“:

Die Broschüre „Haushalt und Bürgerhaushalt“ der Stadt Stuttgart für das Jahr 2015 ist ein Beispiel dafür, wie durch eine klare Gliederung dem Leser/der Leserin eine schnelle Übersicht ermöglicht werden kann.

Die insgesamt 79 Seiten sind in fünf Überpunkte gegliedert (in Klammern die Anzahl der Unterpunkte): Vorwort; Der Bürgerhaushalt; Der städtische Haushalt (4); Schwerpunkte (22); Anhang (4).

Die Überpunkte sind nicht nur prägnant formuliert, sondern auch die geringe Anzahl ermöglicht der Nutzerin/dem Nutzer schon auf den ersten Blick eine Groborientierung. Die Kategorie „Schwerpunkte“ ist zudem ein sinnvoller Weg, schon im Inhaltsverzeichnis detaillierte Informationen vom Basiswissen zum Haushalt zu trennen.

 

Verständlichkeit

Die Stadt Potsdam bedient sich in ihrer Broschüre zum Bürgerhaushalt 2015/16 einer besonders leicht verständlichen Sprache:

Bürgerhaushalt in Potsdam 2015/16, S. 1

 

Die Verwendung eines einfachen Vokabulars macht die Informationen für alle auf Anhieb verständlich. Fachbegriffe zum (Bürger-)Haushalt können durch möglichst greifbare Beispiele entschärft werden. Rhetorische Fragen können helfen, diese Beispiele in den Text sinnvoll einzubauen. Es sollte darauf geachtet werden, die Sätze kurz zu halten und auf Nebensätze möglichst zu verzichten.

 

Visualisierung

Eine gelungene Umsetzung von Informationsvermittlung und optischem Eindruck liefert die Gemeinde Henstedt-Ulzburg mit ihrer Broschüre „Bürgerhaushalt für 2014“.

Bürgerhaushalt für 2014, Henstedt-Ulzburg, S. 5

 

Durch einen farblich hervorgehobene Überschrift sowie gefettete Zwischenüberschriften werden der Lesefluss und die Übersichtlichkeit der Informationen gesteigert. Außerdem haben die Leserinnen und Leser die Möglichkeit, sich gezielt einzelne Inhalte herauszugreifen, die sie besonders interessieren. Es empfiehlt sich gerade bei langen Textpassagen Absätze einzubauen und zu überlegen, wie Inhalte in kleineren Textbausteinen gruppiert und untergliedert werden könnten.

Ein weiteres Praxisbeispiel für diese Gestaltungsprinzipien ist die Broschüre des „Bürgerhaushaltes Spandau 2015“. Auch hier werden Textbausteine mit Unterüberschriften kombiniert. Außerdem werden Fotos abgebildet, die einen Wiedererkennungswert für die Bürgerinnen und Bürger haben. Investitionsbeispiele, die in den Texten genannt werden, können dadurch besonders hervorgehoben werden und steigern das Verständnis seitens der Leserinnen und Leser.

Bürgerhaushalt Spandau 2015, S. 6/7

 

Gerade bei der Darstellung von Haushaltszahlen spielen Visualisierungen, Statistiken und Diagramme eine wichtige Rolle. Doch auch hier gibt es Gestaltungsprinzipien, die das Verständnis dieser Darstellungen vereinfachen. Bei Totendiagrammen sollte zum Beispiel darauf geachtet werden, dass die Teilstücke in ihrer Größe chronologisch im Uhrzeigersinn angeordnet sind.

Bei der Visualisierung von Zahlen kann auch vollständig auf die klassischen Visualisierungsarten wie Diagramme verzichtet werden. So ist es etwa möglich, diese Zahlen auch in Infografiken aufzubereiten, wie es in der Broschüre zum Bürgerhaushalt Spandau umgesetzt wurde. Der Vorteil: Die Visualisierung anhand von Symbolen, wie etwa im Beispiel die Waage, erleichtern das Verständnis und bleiben dadurch eher im Gedächtnis.

 

Dieser kurze Vergleich macht deutlich, dass es viele Stellschrauben gibt, die bei der Erstellung von Haushaltsbroschüren beachtet werden sollten. Oberstes Ziel sollte es sein, das Thema (Bürger-)Haushalt stets aus der Perspektive der Bürgerinnen und Bürger zu betrachten und vor diesem Hintergrund Haushaltsbegriffe und –darstellungen gezielt auf ihre Verständlichkeit hin zu hinterfragen.

Zusätzliche Informationen:

Weitere Gestaltungshinweise finde sie auch in diesem Artikel zur Gestaltung von Rechenschaftsberichten.

Wie man einfach und verständlich schreibt und welche Tipps es gibt, das Verständnis von Texten zu erhöhen, hat die Redaktion von buergerhaushalt.org auch in der Handreichung zum Thema Rechenschaft zusammengefasst.