Sind Bürgerhaushalte repräsentativ?

Nein, Bürgerhaushalte in Deutschland sind nicht repräsentativ. Sie haben auch nicht den Anspruch, repräsentativ zu sein. Bürgerhaushalte sind vielmehr ein offenes Angebot, durch das interessierte Bürgerinnen und Bürger sich über ihr Wahlrecht hinaus an politischen Prozessen beteiligen können.

Sie sollen andere demokratische Instrumenten wie Wahlen oder Volksabstimmungen ergänzen, nicht ersetzen. Im Unterschied zu Wahlen und Umfragen geht es nicht um eine Entscheidung zwischen wenigen vorgegebenen Optionen, sondern um die Entwicklung und Diskussion von Ideen. Daher zählt in erster Linie die Qualität und Offenheit des Dialogs; die Anzahl der Mitmachenden ist sekundär.

Bürgerhaushalte ermöglichen durch ihr offenes Format eine bunt gemischte Teilnehmerschaft. Es lässt sich allerdings – ähnlich wie auch bei Wahlbeteiligungen - beobachten, dass bei den meisten Bürgerhaushalten bessergebildete Männer mittleren Alters dominieren. Durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit können möglichst inklusive Verfahren angestrebt werden, die Entscheidung zur Teilnahme ist aber genau wie bei Wahlen dem Bürger selbst vorbehalten.

Letztlich entscheiden in Deutschland nicht die Teilnehmenden, welche Vorschläge wirklich umgesetzt werden. Diese Entscheidung liegt in der repräsentativen Demokratie weiterhin beim demokratisch gewählten Gremium, auf kommunaler Ebene also beim Gemeinderat. Die gewählten Politikerinnen und Politiker haben die Aufgabe, die Vorschläge abzuwägen und im Sinne aller Bürgerinnen und Bürger zu entscheiden.

Siehe Themenbereich "Bürgerhaushalte in der Wissenschaft" für mehr Informationen.

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