Selbst ist die kolumbianische Frau

Selbst ist die kolumbianische Frau

Bericht |  Internationales |  Redaktion |  21.01.2021
Selbst ist die kolumbianische Frau
Frauen bei einer Veranstaltung der Fundación al rescate del Pacífico in Rozo, Valle Del Cauca, Kolumbien.

Eine Frau in Kolumbien hat es im Alltag oft nicht leicht. Noch immer fehlt dem Land eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen und der patriarchalischen Kultur. Einen einfachen Zugang zu Bürgerhaushalten gibt es zum Beispiel nicht. Auch auf die Unterstützung des Staates können viele Frauen nicht zählen. Um dem entgegenzuwirken und den Menschen eine Plattform der gesellschaftlichen Teilhabe zu ermöglichen, gründete die Anwältin und Menschenrechtsaktivistin Licenia Pinillo, gemeinsam mit 15 weiteren Anwälten und Sozialarbeitern, eine Bürgerbewegung, die sie „Fundación al rescate del pacífico“ nennen. Übersetzt heißt das: Stiftung zur Rettung der Pazifikregion. Um sich über Wasser zu halten, verkaufen die Gründer*innen und Volontär*innen Mahlzeiten auf den Straßen Calis.

Erstmals seit der Gründung der Stiftung im Jahr 2004 bietet sich nun die Möglichkeit der staatlichen Unterstützung: Im Dezember 2020 ermöglichte es eine Initiative des Innenministeriums, Non-Profit-Organisationen und Stiftungen finanzielle Mittel zur Umsetzung von Projekten zu erhalten. Das Ziel der Unterstützung ist es, die sozio-ökonomischen, geschlechtsspezifischen Gewalt- und Organisationsrealitäten von Frauen zu identifizieren. Die Projekte orientieren sich an den Bedürfnissen der Frauen aus ländlichen Zonen im Umkreis von Cali. Sie sollen dabei die Gender-Perspektive berücksichtigen und zu einem Umdenken in der Gesellschaft führen. In einem Wettbewerb mit 300 eingereichten Projekten werden derzeit 167 davon über insgesamt drei Monate mit jeweils 15.000 Euro finanziell unterstützt. Unter den Gewinnerprojekten ist auch das von Licenia und ihrer Stiftung. Hier nehmen 65 schwarze Frauen ab 18 Jahren an Workshops teil, die ihnen u.a. die Fingerfertigkeit in der Partydekoration und im Einpacken von Geschenken vermitteln sollen. Sie lernen grundlegende Elemente der Schneiderlehre und den Umgang mit dem Internet. Psycholog*innen, Lehrer*innen, Anwält*innen und Sozialarbeiter*innen zeigen den Frauen ihre Rechte und weitgehende Formen zur Steigerung der Lebensqualität auf. In einem Interview erzählt uns Licenia: „Die Frauen kommen gerne zu uns, hier bekommen sie eine Mahlzeit und sie lernen viel über ihre beruflichen und finanziellen Möglichkeiten. Sie sind wissbegierig und motiviert, ihr täglich Brot selbständig und unabhängig von ihren Männern zu verdienen.“

Trotz einschneidender Corona-Maßnahmen und den Umstieg auf teilweise virtuelle Workshops, blickt die Gründerin zuversichtlich in die Zukunft: „Tatsächlich sind wir mehr als eine Bürgerbewegung – wir sind ein Zufluchtsort. Wir haben uns durch unseren familiären und herzlichen Umgang eine Community geschaffen.“ Diese gilt es nun aufrechtzuerhalten und weiterhin zu stärken.

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