Wuppertal: Mehr Chancengleichheit beim Bürgerbudget

Wuppertal: Mehr Chancengleichheit beim Bürgerbudget

Bericht |  Redaktion |  03.08.2022
Wuppertal: Mehr Chancengleichheit beim Bürgerbudget
Hände mit keimenden Pflanzen

Hürden abbauen und mit dem Bürgerbudget mehr Bürger/-innen erreichen – eine Möglichkeit dazu zeigt das Beispiel Wuppertal: Dort bringt schon seit einigen Jahren eine Bürger/-innen-Begleitgruppe ihre Ideen und Anregungen ein, um Fehler zu vermeiden und das Beteiligungsprojekt ansprechender zu gestalten. Seit 2021 unterscheidet die Stadt in Nordrhein-Westfalen nun zwischen (umfangreichen) Projekten und sogenannten „Mikroprojekten“. Für solche kleineren Projekte mit Kosten bis zu 2.000€ wird ein Teilbudget von 20.000€ aus dem Gesamttopf des Bürgerbudgets reserviert. So will das Team Bürgerbeteiligung noch mehr Menschen motivieren mizumachen und besonders auch Einzelpersonen und kleinere Initiativen unterstützen.
 

Neben mehr Chancengleichheit geht es dabei auch um weniger Bürokratie: So durchlaufen Mikroprojekte zwar zusammen mit den anderen Projektideen die ersten beiden Phasen der Auswahl, Ideensammlung und Abstimmung, das Teilbudget wird danach aber gleich den Bestplatzierten unter den Top 100 zugewiesen. Die Umsetzung beginnt dann wieder regulär mit den "großen" Gewinner-Projekten – für den aktuellen Doppelhaushalt 2022/2023 wurde das Geld im April dieses Jahres ausgezahlt.

Zahlreiche spannende Projekte gingen seit dem Frühjahr an den Start, kleine sowie große Ideen befinden sich in der Umsetzung. Unter ihnen das Projekt „Decolonize Wuppertal“: Bei einem der Gewinnerprojekte im Bürgerbudget wollen die Antragssteller/-innen mit den ihnen zugesprochenen 20.000€ einen Beitrag zur Aufarbeitung der Kolonialgeschichte Wuppertals leisten.

So ein umfangreiches Vorhaben ist durchaus aufwändig: Zunächst gründete sich dafür ein Arbeitskreis, jetzt kommt die konkrete Umsetzung. „Die Idee ist, Wuppertaler Kolonialgeschichte und Gegenwart öffentlich zu machen“, erklärte Heiko Schnickmann, Teil des Arbeitskreises, gegenüber der Westdeutschen Zeitung Anfang des Jahres. Dafür möchte „Decolonize Wuppertal“ mit einem Stadtrundgang starten, sich aber auch breiter mit historischen Kontexten und aktuellen post-kolonialen Strukturen auseinandersetzten.

Die Mikroprojekte mit der meisten Zustimmung sind dagegen überschaubarer in der Umsetzung und machen klar, wie groß die Bandbreite eingereichter Ideen beim Bürgerbudget sein kann: So möchte beispielsweise das Aktionsbündnis „Talbuddeln“ Obstbäume auf öffentlichen Stadtflächen pflanzen, der Verein „Lebendige Landwirtschaft“ beantragte eine mehrtägige Veranstaltungsreihen zum Thema Ernährungspolitik. 

Das Budget von insgesamt 200.000€ für Projekte in den Jahren 2022/2023 wird in Wuppertal dabei nicht von der Stadt alleine gestemmt, sondern gemeinsam mit Kooperationspartnern wir der BARMER oder der Gemeinschaftsstiftung für Wuppertal bereitgestellt. Die nächste Auflage des Bürgerbudgets für den folgenden Doppelhaushalt ist für das Jahr 2023 geplant.

Mehr zum laufenden Beteiligungsverfahren und dem Bürgerbudget in Wuppertal finden Sie auf wuppertal.de.

text: Lea Crescenti; foto: picture alliance / Zoonar

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